Andere Fahrgäste sind auch nur Menschen

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Fahrgemeinschaft fuer das Klima: Die Klimahelden im EVAG Bus (www.klimahelden.de)Als Fahrgast hat man viele Rechte. Aber ein Recht auf gutes Benehmen hat man nicht. Nicht immer ist es der verspätete Bus, der nervt, nicht immer der Fahrer, der die Tür nicht mehr öffnet, nicht immer die Haltestelle, die nicht durch Sauberkeit glänzt. Manchmal ist es einfach nur der andere Fahrgast! Die EVAG hat sich unter ihren Fahrgästen umgehört und die größten Fahrgastsünden ausgemacht. (Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, spiegelt aber dennoch das Meinungsbild der ÖPNV-Nutzer wider.)

Telefonieren nervt am meisten

Ganz vorn bei den größten Fahrgastsünden liegt genau das, was jeder ständig kann, ob er nun will oder muss oder nicht: T E L E F O N I E R E N, also in Großbuchstaben ins Smartphone schreien. Manchmal ist es ja spannend, in das Leben fremder Menschen hineinzuhorchen, aber meistens eben nicht. „Ich muss mir Dinge anhören, die ich nicht wissen will“, sagt ein Fahrgast.

Nicht minder nerven Fahrgäste, die die Türen blockieren, weil sie beim Einstieg einfach an erstbester Stelle stehen bleiben. Vielleicht aus Sorge, den Ausstieg an der nächsten Haltestelle zu verpassen.

Ebenso beliebt wie verhasst ist es, mit seinem Gepäck die Sitzplätze zu blockieren (und damit womöglich für gebührlichen Abstand zu sorgen). Meistens hätte es auch im Fußraum hinreichend Platz …

Größter Kritikpunkt unter den älteren Fahrgästen ist das Benehmen der Jugend – sie mögen es gar nicht, wenn sie es sich mit ihren Straßenschuhen auf dem Polster gegenüber gemütlich machen.

Die Jugend aber frisst auch nicht alles: „Chipstüten und Müllhinterlassen? Geht gar nicht!“, klagt ein Teenager.

Vor allem die Damenwelt rümpft die Nase, wenn es um penetrante Gerüche geht. Das Deo im Sommer vergessen? Ist ebenso unangemessen wie das genaue Gegenteil: vor der Busfahrt zu viel Parfüm aufzutragen.

Und wie sieht das die EVAG? Der Kunde ist König, aber auch einem König ist im ÖPNV nicht alles erlaubt: Essen und Trinken in Bus und Bahn zum Beispiel. Rauchen ist auch verboten. „Aber das traut sich eh so gut wie keiner mehr“, sagen die Fahrerinnen und Fahrer einstimmig.

Beine spreizen verboten!

Manieren leiten sich übrigens aus dem französischen „manière“ ab und das heißt nichts anderes als Art und Weise. Wir können viele Dinge tun, die Art und Weise sollte nur unseren Sitznachbarn nicht stören. Kommunizieren ja – aber am liebsten per SMS. Bequem sitzen ja, aber bitte nicht à la „manspreading“; tatsächlich, in der New Yorker U-Bahn wird Frauen und Männern bereits untersagt, sich breitbeinig hinzusetzen!

Reden hilft übrigens immer. Auf freundlich vorgetragene Hinweise reagieren die meisten Fahrgäste verständnisvoll; sie räumen die Einkaufstüten weg oder geben die Kampfzone Tür für den Ein- und Ausstieg frei. Genau das, was Soziologen derzeit in unserer Gesellschaft beobachten, gilt selbstredend auch im ÖPNV: Ich Individualist mache, was ich will, bis jemand etwas sagt!

2 Kommentare

  1. Hier ist schon vieles angesprochen worden..

    Ich füge mal weitere Störungen und Unannehmlichkeiten hinzu:

    01. Überfüllte Busse/Straßenbahnen/U-Bahnen/Züge und Co.
    Hier kommt es häufig vor, dass Fahrgäste ebenfalls unruhig und panisch werden.
    Um hier Abhilfe zu schaffen wäre es super, wenn der Bus ein Gelenkbus wäre, die Straßenbahn eine Gelenkstraßenbahn und die U-Bahn auch eine Gelenk-U-bahn wäre. Bzw. Wenn die Straßenbahn entweder Zwei-Wagig fährt oder diese Straßenbahn 1,5 mal länger als jetzt ist. Letzteres wäre auch bei den U-Bahnen möglich.

    02. Kreischende Kinder
    Ja, auch das ist nervend, wenn ein Kind im Kinderwagen eine halbe Stunde lang kreischt, schreit, brüllt.

    03. Knappe Anschlüsse
    Würden die Anschlüsse an andere Linien verbessert, dann könnte sich der Menschenknubbel an den Ein-/Ausgangstüren verringern, da viele sich da hin drängeln um den nächsten Anschluss zu erreichen, in dem sie eher aussteigen können und von Kinderwagen und alten Menschen nicht blockiert werden.

    04. Behindertengerechte Fahrten
    Leider gibt es bei einigen Linien in Essen nur Niederflurbahnen und bei anderen wiederum nur Hochflurbahnen.
    Auch wenn die Niederflurbahnen knapp sind, so kann es dennoch ermöglicht werden, dass die Fahrgäste mit Rolli und Co. mind. stündlich eine Fahrmöglichkeit auf „allen“ Straßenbahn-Linien erhalten!

    05. Baustellen
    Klar muss die Via auch die gesetzlichen Regelungen umsetzen, aber warum wird es hier so kompliziert gemacht?
    Warum ist es denn nicht möglich die Straßenbahnschienen so zu gestalten, dass die Fahrgäste nicht mitten auf der Straße ein-/aussteigen müssen, sondern wie beim Bus am Straßenbahnrand [Bürgersteig]?! Stichwort: Unfallvermeidungsprinzip.
    Alternativ zu den Straßenbahn-Haltestellen-Ampeln könnte man auch mal eine Straßenbahn-Halstestellen-Schranke ausprobieren. Die dann herunter geht, wenn die Straßenbahn an der Haltestelle einfährt. Bei der HST Altenessen BF [Bst. 3 zum Bsp. macht es echt sinn!]

    06. Fahrplan-Ausdünnung
    Auch hier ist es echt sehr ärgerlich, wenn gerade in der Ausdünnungsphase und Abend-/Wochenendtaktung Züge und Co. noch schlechter erreicht werden können.

    07. Musikhören
    Ja, das ewige Leid.
    Der Sitznachbar oder die Sitznachbarin dreht die Mukke so auf und beschallt damit nicht nur seinen Nebenmann sondern auch ganze Sitzabteile!

    • AUCH EIN FAHRGAST am

      Auch wenn ich nicht für die EVAG arbeite, denke ich mal, dass ich die einzelnen Punkte gut beantworten kann!

      Zu 01: Es können nicht einfach Doppeltraktionen auf den Straßenbahnlinien oder Gelenkbusse eingesetzt werden. Oberirdische Bahnhaltestellen sind nicht lang genug und die Gelenkbusse können nicht jede Abbiegung meistern oder müssten extra hierfür Umleitungen fahren. U-Bahnen fahren werktags standardmäßig in Doppeltraktion, eine dritte Bahn dran hängen funktioniert hier auch nicht überall außer auf der U11, allerdings nur an Messetagen!

      Zu 02: Kinder haben leider keinen Schalter, den man drücken kann, damit sie ruhig sind. Ich wette, Sie waren damals in ziemlich jungen Jahren genauso laut…

      Zu 03: „Menschenknubbel“ an den Türen haben meiner Meinung nach nichts mit einer Anschlussmöglichkeit zu tun. Dafür sind allerdings gefühlte 95 Prozent der Fahrgäste so sozial und bilden an der Tür eine Gasse, sodass aussteigende Fahrgäste zügig die Bahn verlassen können. Notfalls drängeln Sie sich doch einfach durch, spätestens da begreifen die anderen, dass sie was falsch machen!

      Zu 04: Auf der Linie 108 können keine Niederflurfahrzeuge eingesetzt werden. Die Niederflurbahnen fahren bereits auf 6 von 7 Linien in Essen. Ausnahmen gibt es immer bei Störungen, Ausfällen oder Reparaturarbeiten, das kommt aber höchstens ein Mal in einer Stunde vor. Im Vergleich zu Ihrem Vorschlag weitaus besser.

      Zu 05: Um einen hundertprozentigen ebenen Ein- und Ausstieg auf allen Straßenbahnlinien zu garantieren, müssen alle „alten“ Haltestellen umgebaut werden. Klar, theoretisch könnten alle Bahnen an Bürgersteigen halten, aber es gibt Faktoren, die das erschweren: Geld, Zeit und der normale Straßenverkehr. Man kann nicht 20 Haltestellen auf einmal modernisieren, das wäre der Straßengau schlechthin. Bis in ein paar Jahren wird man aber den größten Teil modernisiert haben… also denke ich mal! Zu der Schranke: Schranken wären unnötig und ein weiterer Störfaktor. Die Ampelbeeinflussung könnte allerdings besser laufen, das stimmt.

      Zu 06: Auch hier könnte es besser laufen, besonders gegen 19-20 Uhr sind die Bahnen und Busse noch gut gefüllt.

      Zu 07: Hier kann man auch Selbstinitiative ergreifen und den Fahrgast darauf ansprechen. Hört er nicht darauf und/oder gibt einen dummen Kommentar von sich, gibt es den Fahrer/die Fahrerin.

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